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Happy Birthday! 40 Jahre ÖRV

Um das 40-jährige Bestehen des Verbandes zu feiern, lud der ÖRV am 14. und 15. November in das Wien Museum ein. Unter dem Titel „Ein Berufsbild im Wandel“ fanden Fachvorträge, ein Podiumsgespräch und ein Festabend statt. Der vom Wien Museum bereitgestellte Seminarraum im Museumsgebäude am Karlsplatz sorgte für eine offene Atmosphäre und bereitete den Weg für konstruktive Fachdiskussionen. Ein besonderes Highlight war der Ehrenschutz der Tagung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Wir sehen darin ein starkes Zeichen der Anerkennung und eine wachsende Sichtbarkeit der Berufsgruppe.

Impressionen von der Tagung Impressionen

Ein Berufsbild im Wandel

Beide Tage lagen im Zeichen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Berufsgruppe. Insbesondere thematisiert wurde die Herausarbeitung und Konkretisierung der beruflichen Kompetenz. Des Weiteren lag ein Schwerpunkt auf der Betrachtung der technischen Entwicklungen, wie diese die Dokumentation und Behandlung von Objekten beeinflussen, sowie deren gedankliche Fortführung in die Zukunft. 

Das Programm wurde durch den Keynote-Speaker Prof. Dr. Jan Raue von der FH Potsdam eröffnet. Mit seinem Vortrag ging er auf die Wurzeln der Denkmalpflege und Restaurierung, deren Beziehung sowie auf die Vergangenheit und Zukunft des Berufsbildes ein. Anhand der Literatur von Dehio, Brandi und Riegl arbeitete Herr Raue die Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen Denkmalpflege und Restaurierung heraus und schloss seinen Vortrag mit Überlegungen zur Weiterentwicklung der Berufsgruppe und ihrer Tätigkeit. Maga.  Beate Murr knüpfte an die Überlegungen Raues an und legte ihre Wahrnehmung der Entwicklung der Restaurierung in ihren Berufsjahren dar. Von der Schreibmaschine, hin zu bereits re-restaurierten Objekten, schilderte sie die Bandbreite der Veränderungen - sowohl in der praktischen Ausführung als auch in der Dokumentation. Die Vorträge des ersten Tages hatten zum Großteil einen architektonischen/ baudenkmalpflegerischen Kontext als Schwerpunkt. Die Fachvorträge behandelten die Erhaltung von Baudenkmälern, Wandmalereien und anderen Objekten in architektonischem Kontext aus verschiedenen Perspektiven, die den starken Einfluss der Umgebungsbedingungen verdeutlichten. Es wurde über geographischen und räumlichen Kontext, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, einhergehend mit Politik, und nicht zuletzt Klima und Klimawandel gesprochen. Weiters wurde über Strategien und die Kommunikation gesprochen und wie diese sich innerhalb von unterschiedlichen Rahmenbedingungen verändert haben und so Restauratoren:innen immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. 

Podiumsgespräch, feierliche Aufnahme der Ehrenmitglieder und Festabend

Moderiert vom Journalist Wojciech Czaja fanden die Fachvorträge des ersten Tages ihren Ausklang in einem Podiumsgespräch, zu welchem Karin Troschke, Beate Murr und Stefan Kainz auf die Bühne gebeten wurden. Es wurde über die Entwicklung des ÖRV seit dessen Beginn gesprochen, spannende Diskussionen konnten stattfinden und persönliche Einblicke in Erinnerungen aus den Anfängen und späteren Entwicklungen des ÖRV geteilt werden. Auch wenn sich der Umgangston seit dem Entstehen des Verbandes verändert hat (Zitat Karin Troschke: „Da wurde auch laut gestritten!“), war man sich einig, dass sich dieser zu einer wichtigen Institution entwickelt hat, die in der Lage ist, die Berufsgruppe öffentlich zu vertreten und wichtige Themen, die die Restaurator:innen beschäftigen, aufzugreifen und zu bearbeiten. Mithilfe des Verbandes und dessen vielen tatkräftigen und kompetenten Mitgliedern konnte sich der öffentliche Blick auf die Konservierung und Restaurierung als „Orchideenfach“ hin zu einer bekannten und einflussreichen Berufsgruppe entwickeln. Für ihr langjähriges Engagement, herausragende Leistungen im oder um das Berufsfeld und bemerkenswerten Einsatz verlieh der ÖRV elf Personen die Ehrenmitgliedschaft in Form einer goldenen Mitgliedskarte. Die Laudationen können in naher Zukunft auch auf der Website nachgelesen werden.

Der Geburtstag des Verbandes wurde im Anschluss in der Kunsthalle am Karlsplatz gefeiert. Der Festabend wurde durch die Liveband “Soulhotel” und einen DJ begleitet, die ausgelassene Stimmung konnte mit diversen Verkleidungsmöglichkeiten am bereitgestellten Fotoautomaten festgehalten werden. Die vielen Schnappschüsse dokumentieren einen wundervollen Abend, für den sich der ÖRV bei allen Teilnehmenden bedanken möchte.

Future Challenges und einhergehender Wandel des Berufes

Restaurator:innen in ihrer Funktion als „Decision Maker“, sowie die bereits stattfindenden, aber auch zukünftigen Herausforderungen wurden in den Vorträgen des zweiten Tages aufgegriffen.

Für die Aufgabe, Kulturgut für kommende Generationen zu bewahren, braucht es einen kritischen, reflektierten Blick, der die bereits genannten äußeren Einflüsse berücksichtigt und auf dieser Grundlage verantwortungsvolle Entscheidungen trifft. Dabei wird deutlich, dass Restaurator:innen nicht nur materielle Objekte erhalten, sondern auch die immateriellen Werte, Bedeutungen und Botschaften, die mit ihnen verknüpft sind. Oft stehen mehrere Handlungsoptionen offen, und jede Entscheidung wirkt als Botschaft an spätere Generationen. Es wurden Strategien für eine Weiterentwicklung dieser Entscheidungsprozesse aufgezeigt und das “Values Based Management” genauer unter die Lupe genommen.

Nicht nur Kulturgüter, auch die Restaurierung selbst steht heute vor tiefgreifenden Veränderungen, die weit über traditionelle konservatorische Fragestellungen hinausgehen. Restaurator:innen, aber auch Museen und Restaurierungsstudiengänge müssen sich zunehmend mit den Herausforderungen des Klimawandels auseinandersetzen, dessen Auswirkungen längst nicht mehr abstrakt sind. Es entsteht ein wachsender Bedarf an sogenannten Green Skills-Kompetenzen, die nachhaltiges Handeln, energieeffiziente Strategien und ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge fördern. Die Thematik wurde auch im Vortrag von Dr. Pascal Querner über die Schädlinge und Schädlingsbefall, die Ausweitung der einheimischen Arten, wie auch die Veränderung in deren Brut-und Fressverhalten durch den Klimawandel aufgegriffen.

Nicht nur die Veränderung des Klimas, auch die Weiterentwicklung der digitalen Welt stellt uns vor neue Herausforderungen. Die Software- und Digitalkonservierung stellt ein junges Feld dar und wirft Fragen auf, wie digitale Objekte gesammelt werden, wie sie erlebbar bleiben und welchen zukünftigen Nutzen sie besitzen können. Parallel dazu transformieren sich die Arbeitsmethoden durch digitale Arbeitsmethoden und Werkzeuge, die das Skill-Set der Berufsgruppe nicht ersetzen, aber erweitern können. Beispielsweise können 3D Scans Arbeitsabläufe erleichtern, aber auch eine detaillierte Dokumentation von Objekten ermöglichen.  Diese Art der Dokumentation geht Hand in Hand mit der Digitalkonservierung bzw. der Softwarekonservierug: Dokumente müssen irgendwo gespeichert werden und der Zugriff auf diese muss auch nach langer Zeit noch gewährleistet sein. Dazu braucht es die Erhaltung der notwendigen Hard- aber auch der Software. Nicht nur die Erhaltung, aber auch die Bedienung der Geräte und Programme sind Teil der Konservierung. Die Frage, ob sich nun jede:r Restaurator:in in diesem Fachbereich einarbeiten sollte, kristallisierte sich aus den Vorträgen. Wie auch schon bisher, liegt der Schlüssel in der Nutzung solcher speziellen Skills eher in der gezielten Vernetzung von Fachpersonen mit unterschiedlichen Kernkompetenzen. Wie auch in den bereits etablierteren Fachdisziplinen, braucht es einen Zusammenhalt und Wissensaustausch untereinander. Die Erhaltung von digitalem Gut soll als Erweiterung des Wissenspools aller Restaurierungsdisziplinen dienen. Die Veränderungen im Berufsfeld spiegeln sich auch in der Weiterentwicklung der Studienprogramme wider, Studienpläne müssen sich kontinuierlich an die Zeit anpassen. In ihrem Vortrag wagten die Institutsvorstände Uni.-Prof. Dr. Carolin Bohlmann vom Institut für Konservierung-Restaurierung der Akademie der Bildenden Künste und die Leitung des Institutes für Konservierung und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst, Uni.-Prof. Dr. Martina Griesser-Stermscheg gesondert einen Blick in die Kristallkugel, mit der Frage, was Restaurator:innen in der Zukunft brauchen können. Für ihr Berufsleben sollen Studierende in ihrer Ausbildung die Möglichkeit haben, sich sowohl in spezifisches Fachwissen zu vertiefen, aber auch ein Verständnis für übergeordnete Prozesse entwickeln und ein gegenseitiges Ineinandergreifen der vielen Disziplinen zu erkennen. Digitale Strategien und Konservierungsmethoden, Nachhaltigkeit und der Umgang mit den Folgen des Klimawandels müssen in das Bewusstsein von angehenden Restaurator:innen gerufen werden und Teil ihrer professionellen Ausbildung sein.

 

Feierliche Prämierung Fotowettbewerb

Als Abschluss der Tagung wurden die Gewinner des Fotowettbewerbs gekürt. Vorab konnten Fotos zum Thema „Ein Beruf im Bild“ eingesendet werden. Uns erreichten 53 großartige Fotos, aus denen fünf durch eine Jury in das Finale gewählt wurden. Zu gewinnen war ein Deffner & Johann Gutschein im Wert von 500,00 €, sowie jeweils ein Gutschein im Wert von 50,00 € für alle vier Nominierten. Während der Festtagung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, einen Sieger aus fünf Fotos zu wählen. Wir möchten uns erneut bei Herrn Ralph-Uwe Johann für das Sponsoring bedanken und wünschen den Gewinnern viel Spaß bei der Besorgung von Restaurierungsmaterialien und Equipment.

Das Tagungsteam des ÖRV darf nach herausfordernden Vorbereitungen auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken und möchte sich bei allen teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen bedanken. Besonderer Dank gilt Alexandra Czarnecki, sowie dem Wien Museum für die Bereitstellung der Räumlichkeiten, wie auch allen Vortragenden, Moderator:innen und mithelfenden Studierenden.

Eröffnung der Jubiläumstagung.
Eröffnung der Jubiläumstagung durch Susanne Beseler und Alexandra Czarnecki.
Skokanitsch/ÖRV
Skokanitsch/ÖRV
Roman Tronner/ÖRV