11.11.2004 | Bericht

19. Tagung „Mehr Schein als Sein? Retusche – Ergänzung – Rekonstruktion – Illusion“

11.-13. November 2004, St. Pölten

Die 19. Tagung des ÖRV fand im Niederösterreichischen Landesmuseum in St. Pölten statt. Dabei wurden theoretisch¬philosophische Beiträge über Retusche und Ergänzungen allgemein und die Probleme bei der genauen Definition einer „Fehlstelle“ sowie Positionen zu Kopien und Rekonstruktionen diskutiert. Das Verhältnis zwischen der ursprünglichen Idee und dem daraus resultierenden Serienprodukt warf die Frage des „Originals“ am Beispiel des Pantonstuhls auf.

Einige Berichte aus der Praxis verschiedener Fachgebiete stellten sehr unterschiedliche Vorgehensweisen beim Umgang mit Retusche vor, welche teilweise auch mit den vorhandenen Materialeigenschaften zusammenhängen. So wurden neben Totalrekonstruktionen auch Teilergänzungen und minimale Eingriffe präsentiert. Weiters konnten Einblicke in die Schwierigkeiten bei der Erhaltung originaler Gebäudefassaden oder der Restaurierung und Präsentation großflächiger archäologischer Ausgrabungen gewonnen werden.

Dass aber auch Retuschen original sein können, zeigte ein Beitrag über fotografische Retuschen als Teil des Schaffensprozesses eines Wiener Fotostudios. Vorgestellt wurden außerdem unübliche Retuschiermedien und deren Anwendung sowie die Zuhilfenahme von Computersoftware für die Fehlstellenergänzung bzw. deren Grenzen.

Dass es sich beim gewählten Tagungsthema um ein sehr vielschichtiges handelt, wird bei der Breite an nationalen und internationalen Beiträgen deutlich. Diese zeigen die Entwicklung der Retusche bis heute sowie den Umgang mit Ergänzungen bzw. Rekonstruktionen und bilden somit eine aktuelle Diskussionsgrundlage.